Viele verloren ihr Leben

Das Team, das die Ausstellung vorbereitet: Superintendentin i. R. Dr. Ingrid Goldhahn-Müller (v.r.), der Jurist und Historiker Kai Witthinrich und der Pastor i.R. Hans-Werner Müller. Die Puppe zeigt Verletzungen der Menschen während des Krieges.Fotos: Voigtmann

Das Team, das die Ausstellung vorbereitet: Superintendentin i. R. Dr. Ingrid Goldhahn-Müller (v.r.), der Jurist und Historiker Kai Witthinrich und der Pastor i.R. Hans-Werner Müller. Die Puppe zeigt Verletzungen der Menschen während des Krieges.Fotos: Voigtmann

Eine Ausstellung im Museum in Bad Münder erzählt von den 30 Jahren zwischen 1618 und 1648, in denen in unserer Region der Krieg tobte.

VON HOrST VOIGTMANN

Der Jurist und Historiker Doktor Kai Witthinrich hat gemeinsam mit der Superintendentin im Ruhestand Doktor Ingrid Goldhahn-Müller und ihrem Ehemann, dem früheren Pastor Hans-Werner Müller, an dieser Ausstellung mitgearbeitet. Witthinrich fasst die Ereignisse dieser Zeit zusammen: „Als der Dreißigjährige Krieg im Jahr 1618 in Böhmen begann, hatten die kaiserlichen Truppen Erfolg im Kampf gegen die Protestanten, deren Rechte sie einschränken wollten.

Im Norden bekamen die Protestanten Angst und suchten Schutz vor dem Kaiser. Sie baten den dänischen König 1625, diesen Schutz sicherzustellen. Der dänische König kam auch nach Hameln, lieferte den Kaiserlichen damit allerdings die Möglichkeit, bei Bodenwerder über die Weser zu setzen und das ganze Gebiet zu verwüsten. Die Kaiserlichen belagerten Hameln und kamen unter anderem auch in Münder, Springe und Hachmühlen an. Sie stürmten die Orte. In Münder wurden mehr als 44 Häuser der Vorstadt niedergebrannt. Sie hausten dort barbarisch und brachten Menschen auf offener Straße um. Die Menschen flohen und versteckten sich zum Teil im Deister.

Zu allem Übel brach auch noch die Pest aus, weil die Soldaten Seuchen mitschleppten. Durch die Pest starben 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung. Die Soldaten hatten ihre Familien im Tross. Händler und Handwerker, die Fässer bauten und Waffen schmiedeten, begleiteten sie. Nach Quartier wurde nicht gefragt, sondern Quartier wurde genommen. Die Bürger mussten ihre Feinde in ihre Wohnungen aufnehmen und sich alles von ihnen gefallen lassen.

Manche Orte versuchten, die Einquartierung der Soldaten zu umgehen, indem sie Zahlungen leisteten. Lauenau schlug den Soldaten vor, doch lieber nach Hülsede zu gehen, weil dort so ein schönes Schloss stehe.

1626 wurden die Dänen in einer Schlacht bei Salzgitter besiegt. Mit dem Einmarsch Gustav Adolfs von Schweden wendete sich das Blatt. Die Kaiserlichen wurden vertrieben.

Immer wieder gab es Bündniswechsel. Die Menschen wussten nicht mehr, wer auf wessen Seite stand. Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg versuchte es mit einem Waffenstillstand mit dem Kaiser, was den Schweden aber nicht gefiel.

1633 wollte man die letzte kaiserliche Besatzung, die in Hameln lag, vertreiben. Man schickte zwar ein kaiserliches Heer aus Rinteln. Aber in der Gegend von Hessisch Oldendorf kam es dann zu einer Schlacht, in der 5000 Soldaten der kaiserlichen Truppen ihr Leben ließen.

Die Soldaten zogen weiterhin kreuz und quer durch das Land. Die Einquartierungen und die Plünderungen nahmen kein Ende. Das Landleben kam vollkommen zum Erliegen. Die Bauern sahen keinen Sinn darin, ihre Felder zu bewirtschaften. Viele hatten sich kleine Gebiete in den Wäldern zu eigen gemacht und dort etwas angebaut. Ab 1642 gab es in dieser Region keine Kampfhandlungen mehr, weil der Herzog mit dem Kaiser einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete. Beim Westfälischen Friedensschluss 1648 waren die Menschen ausgelaugt und das Land ausgeblutet.

Die Soldaten wurden ausgemustert, sie bekamen keinen Sold mehr. Ein kleiner Teil zog nach Hause. Ein großer Teil schloss sich zusammen und machte jahrelang die Gegend unsicher. Die Schweden hatten noch einen Anspruch auf Entschädigung. Sie waren zwei Jahre länger im Land und zogen erst ab, nachdem sie ihr Geld bekommen hatten. Der Wiederaufbau der Häuser in Münder dauerte mehr als 100 Jahre.

Die Bevölkerung war dezimiert. Allerdings starben die meisten Menschen nicht an Kriegshandlungen, sondern an Seuchen.“

Auch die sieben Söhne des Jobst Asche von Wettberg, Nachfahre des Bauherrn des Wettbergischen Adelshofs, in dem sich heute das Museum befindet, verloren in den Wirren des Krieges ihr Leben.

Die Ausstellung „Hilfe, Tilly kommt“ wird von einer Gottesdienstreihe in der Petri-Pauli-Kirche und in Nettelrede begleitet. Museum und Kirchengemeinde arbeiten Hand in Hand.

Pastor Dietmar Adler eröffnet die Reihe am 21. Juni in Nettelrede mit dem Thema „Pest und Dreißigjähriger Krieg“. Angesichts des diesjährigen Paul-Gerhardt-Jubiläums predigt Pastorin Barbara Daentzer am 23. August in Bad Münder zum Choral „Du meine Seele, singe“.

Am 6. September halten Doktor Ingrid Goldhahn-Müller und Hans-Werner Müller in Bad Münder eine Liedpredigt zum bekannten Choral „Ach bleib mit deiner Gnade“.

Am 20. September geht es um Paul Gerhardts Lied „Befiehl du deine Wege“. Doktor Ingrid Goldhahn-Müller und Hans-Werner Müller nehmen besonders das massenhafte Sterben von Kindern in der Zeit des Krieges auf.

Am 11. Oktober beschließt Dietmar Adler die Predigtreihe mit dem Lied Friedrich Spees „O Heiland, reiß die Himmel auf“.