Es geht um den Frieden
Pastor i.R. Dieter Membresse mit der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland.Foto: Voigtmann
Die evangelische Kirche in Deutschland hat sich immer wieder mit dem Thema der Friedensethik befasst. 1959 waren es die „Heidelberger Thesen“, die sie vorgelegt hat. 1994 waren es die „Schritte auf dem Weg des Friedens“.
VON HORST VOIGTMANN
Es folgte 2007 die erste umfangreiche Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“. Und nun, aus dem Jahr 2025, „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick“. Zu der Informationsveranstaltung mit Pastor i. R. Dieter Meimbresse im Petri-Pauli-Haus in Bad Münder kamen nur wenige Menschen.
Die Tatsache, dass die Unordnung in der Überschrift vorne ansteht und deutlich macht, dass der gerechte Friede noch nicht erreicht ist, fällt auf und ist mit der Wahrnehmung vieler Zeitgenossen identisch. Die Welt ist wirklich in Unordnung geraten. In der Denkschrift wird die aktuelle Situation in den Blick genommen.
Mit dem Überfall Russlands auf die Krim hat eine neue Zeit begonnen, und der Herr im Kreml hat sein wahres Gesicht gezeigt. Inzwischen sind der Gaza-Krieg und der Iran-Konflikt dazu gekommen. Und die vielen Kriege in Afrika haben schon manche Menschen vergessen.
Pastor Meimbresse erzählt: „Wir haben es geschafft, erstmals im Jahre 2016 die hannoversche Synode zu bewegen, ihre Sitzung in die Friedensstadt Osnabrück zu verlegen. Wir haben beschlossen, zur Kirche des gerechten Friedens zu werden. Osnabrück war von 1643 bis 1648 einer der zwei Hauptschauplätze der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete.“ 2016 spielten Gorbatschows Gedanken von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) eine große Rolle. Die Richtung, die Putin in seinen Amtszeiten eingeschlagen hat, haben nur einige Politiker richtig bewertet. Es sei gerade 25 Jahre her, dass Putin eine Rede im Bundestag gehalten hat und darin die Gemeinsamkeiten beschworen hat – in deutscher Sprache.
Jetzt müssen wir befürchten, dass er uns nicht wohlgesonnen gegenüber ist. Und wir stellen fest, dass wir abhängig sind von den USA, die derzeit von einem Menschen regiert werden, der keine verlässliche Politik macht.
„Europa“, so Meimbresse, „muss einen eigenen Weg finden, verteidigungsfähig zu werden. Und wenn ein Angriff stattgefunden hat, ist es eine Pflicht zu reagieren.“
Heute sei ebenfalls zu bedenken, was früher noch gar nicht als Gefahr bekannt war: die hybride Kriegsführung. Hinzu komme die Klimakatastrophe und die Gefährdung der biologischen Vielfalt, die für die Erde als Lebensraum schließlich entscheidend sei. Die Waffentechnologie habe sich geändert, Drohnen und Raketen erreichen ihre Ziele mit großer Präzision und Zerstörungskraft. Auch der Terrorismus spiele eine große Rolle und – was immer schon in Kriegen praktiziert wird – Vergewaltigungen als Kriegswaffe. Und auch in Deutschland gibt es aktuell die Bedrohung der Demokratie. Neu sei außerdem die Situation, dass sich nun junge Menschen bewerben sollen, um den Dienst mit der Waffe freiwillig zu übernehmen. Zugleich ist die Zahl der jungen Menschen, die den Dienst mit der Waffe verweigern, recht groß. Vermutlich wird es dahin gehen, dass der Dienst mit der Waffe doch verpflichtend wird, weil sich sonst wohl nicht genügend Menschen für den Wehrdienst finden werden.
Der radikale Pazifismus wird in der evangelischen Kirche nur von dem Magdeburger Bischof Friedrich Kramer und der ehemaligen hannoverschen Bischöfin Margot Käßmann vertreten. Damit seien sie beide in der absoluten Minderheit. Der Begriff der Kriegstüchtigkeit, wie er vom Verteidigungsminister gebraucht wird, kann nur in dem Sinne gemeint sein, dass wir uns als Land einem Aggressor gegenüber verteidigen können müssen.

