Shakespeare in Bad Münder
Da hat John Falstaff die beiden Frauen aber unterschätzt. Sie haben schnell herausbekommen, dass der feiste Adlige beiden den genau gleichen Liebesbrief geschickt hat. Sie verbünden sich und sorgen dafür, dass ihm zur Strafe eine Abkühlung blüht.Fotos: hov
Freie Plätze sind an diesem Abend im Martin-Schmidt-Konzertsaal Mangelware. Die Jugendtheatergruppe „Didel-Dadel-Dum“ hat sich an große Literatur herangewagt. Die jungen Leute haben die Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ von William Shakespeare einstudiert. Kluge Frauen zeigen dem überaus pummeligen Möchtegern und verarmten Adligen John Falstaff, dass sie ihm geistig überlegen sind. Der schlitzohrige Genussmensch Falstaff hat sich vorgenommen, die Ehefrauen von Herrn Fluth und Herrn Reich zu bezirzen, um sie für ein romantisches Treffen zu gewinnen.
Von Horst Voigtmann
Zu dumm für ihn, dass sein Trick auffliegt: Um es sich besonders leicht zu machen, lädt er beide Frauen mit dem gleichen schwülstigen Liebesbrief ein. Den cleveren Frauen fällt diese Tatsache sofort auf, und sie überlegen ihrerseits, wie sie es dem schmierigen Adligen heimzahlen können.
Frau Fluth hat dafür einen großen Wäschekorb bereitgestellt, in den Falstaff krabbelt, als sie behauptet, dass ihr Mann jeden Augenblick auftaucht. Zwei Bedienstete des Hauses schleppen den Korb zur Themse und schütten die bunten Tücher samt Falstaff in den ziemlich kalten Fluss.
Herr Fluth, der seine Frau ständig mit seiner Eifersucht nervt, nimmt in einer Schenke Kontakt zu Falstaff auf, um herauszufinden, ob seine Frau treu ist. Dafür hat er sich allerdings einen falschen Namen zugelegt und stellt sich dem schon leicht angetrunkenen Falstaff als Herr Bach vor. Ehemann Fluth leidet unter der Prahlerei Falstaffs, an der sich bislang nichts als wahr erwiesen hat.
Mit Musik aus unseren Tagen und Tanzeinlagen wird die Geschichte, die Shakespeare 1597 auf die Bühne brachte, zeitgemäß an das 21. Jahrhundert angepasst. Die Themen Seitensprung und Eifersucht sind schließlich immer noch aktuell, vermutlich besonders in der Welt der Schönen und Reichen, wie einschlägige Illustrierte immer wieder berichten.
Auch als Falstaff sich mit Frau Reich treffen will, wird es nichts aus einem romantischen Abend. Als die Ankunft des Ehemanns angekündigt wird, schicken Frau Fluth und Frau Reich Falstaff in einen Nebenraum, in dem er die Kleidungsstücke einer alten Frau anzieht, um sich unentdeckt entfernen zu können. Herr Fluth kann trotz hartnäckiger Suche weder Falstaff noch einen anderen Liebhaber entdecken. Seine Frau erwartet von ihm, dass er seine Eifersüchteleien aufgibt.
Shakespeare, der offensichtlich deutlich machen will, dass Frauen meist viel geschickter darin sind, ihre eigenen Vorteile zu nutzen, hat in dieses Stück ein weiteres Frauenschicksal verwoben. Es geht um die Tochter Anna des Ehepaars Reich, die unter die Haube gebracht werden soll. Bewerber gibt es gleich mehrere:
Da ist zum einen Doktor Cajus, der hervorragend Französisch spricht und jeden mit seinem Säbel attackieren möchte, der ihm die Liaison mit Anna Reich streitig machen will, sowie Junker Spärlich, dessen eigenartiges Verhalten offensichtlich ist. Und da ist noch Fenton, mit dem sich Anna gern verbinden würde.
Anna nutzt geschickt aus, dass Vater und Mutter sich nicht einig sind, wer ihre hübsche Tochter heiraten soll. Während Doktor Cajus und Junker Spärlich noch im Wald nach ihr suchen, sind Anna und Fenton bereits auf dem Weg zur Kapelle, in der die Trauung stattfindet.
Das Ende ist versöhnlich, sogar der freche Galan Falstaff wird zu dem Hochzeitsfest von Anna und Fenton eingeladen.
Eine hervorragende Leistung der Theatergruppe, der viele der Laienspieler seit zahlreichen Jahren angehören. Peggy Zawilla leitet die Theatergruppe und führt gemeinsam mit Tim Hubert Regie. Die Komödie von William Shakespeare wurde übrigens bereits 2007 von der Gruppe aufgeführt.
Legenden besagen, dass Königin Elisabeth I. von der Figur des Falstaff in „Heinrich IV.“ so begeistert war, dass sieShakespeare befahl, ein Stück zu schreiben, in dem der dicke Ritter sich verliebt. Das Ergebnis war „Die lustigen Weiber von Windsor“, das 1597 fertiggestellt wurde und im März 1849 von Otto Nicolai als Oper umgesetzt sowie im Königlichen Opernhaus Berlin uraufgeführt wurde.
Weitere Aufführungen des Stücks „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Didel-Dadel-Dum sind am Samstag, 7. Februar, um 19 Uhr in Hameln, Martin-Luther-Kirchengemeinde sowie am Samstag, 7. März, in der Grundschule Eimbeckhausen, Am Sportplatz 5, geplant.

