Graffiti-Kunst statt Fassadengrau
Lenies Porträt auf einer Hauswand in Flensburg. Fotos: Roberto Vallilengua/br
Ein riesiges Porträt der elfjährigen Bennigserin Lenie – gesprayt auf eine Hauswand in Flensburg: Die Bennigser Graffiti-Künstlerin Myra Martin hat das Werk Ende Juni während eines Internationalen Street-Art-Festivals geschaffen. Es zeigt die Elfjährige mit einer Kapitänsmütze.
VON ANNE BRINKMANN-THIES
Es hat eine Tradition ins Flensburg: Nach dem Abi ziehen die Absolventinnen und Absolventen des dänischen Gymnasiums Duborg-Skolen mit einer Kapitänsmütze durch die Straßen und springen dann ins Wasser, berichtet die 20-Jährige Myra, die vor zwei Jahren selbst am Springer OHG Abi gemacht hat. Als sie – recht spontan – an der „Nord:Syd Freiraumgalerie“ teilnehmen konnte, griff die Künstlerin dieses Motiv auf. Sie fragte die elfjährige Tochter einer befreundeten Familie, ob sie als Modell zur Verfügung stehen wolle. Und Lenie wollte.
Eine Kapitänsmütze war im elterlichen Haushalt schnell zur Hand, ihr lange verstorbener Opa nämlich trug diese Kopfbedeckungen gerne. Und weil Myra nicht vor Ort sein konnte, machte ihre Mutter Birgitta kurzerhand ein Foto von Lenie mit der Schiffermütze und schickte es Richtung Flensburg – als Vorlage für das riesige Kunstwerk, welches nun den täglichen Schulweg schmückt. Fünf Tage etwa habe sie daran gearbeitet, berichtet die 20-Jährige, die gerade Semesterferien hat. Seit dem vorigen Jahr studiert Myra in Halle Kunst.
Für das großformatige Werk wählte sie pastellige Farben, gesprayt hat sie von einer Teleskoparbeitsbühne aus. Als Vorbereitung nutzte sie die sogenannte „doodle grid“-Methode, um ein Bild auf eine größere Fläche zu übertragen.
Statt eines strengen Rasters werden willkürliche Formen, Buchstaben oder Markierungen auf die Fläche gesprüht, die als Orientierungspunkte dienen. Folgt man Lenies Blick, entdeckt man eine Malerei von Andreas Welin, der mit Rolle und Pinsel die Fläche oberhalb der Treppe bespielt hat, sowie eine Stencil-Arbeit von TONA aus dem letzten Jahr.
Überhaupt sei das „Nord:Syd“ in Flensburg mit vielen tollen Leuten und einer großartigen Organisation durch Melina Grasso und den dortigen Tourismusverband wunderbar gewesen, so die Bennigserin. In Flensburg war Myra Martin schon zuvor malerisch unterwegs und hat Melina Grasso, eine Freundin und Mentorin, bei mehreren Projekten, wie etwa der Sankt-Jürgen-Treppe unterstützt.
In der kommenden Woche ist Myra wieder auf einem Festival, dem „Hola Utopia“ in Hannover. „Dort werde ich einem Künstler in der Nähe vom Hauptbahnhof assistieren.“
Aber auch in ihrer Heimatstadt ist die 20-Jährige während der Semesterferien aktiv. So leitete die professionelle Sprayerin im Rahmen des Ferienprogramms Jugendliche an, um am Springer Jugendzentrum die Fläche der ehemaligen Kletterwand sowie für den Innenraum große Leinwände zu gestalten.

