Warmer Sommer, frühe Lese
Mit einem Refraktometer kann Michel Woltmann den Zuckergehalt in den Trauebn bestimmen. Fotos: brinkmann-Thies/privat
Ein Weinanbaugebiet im Springer Stadtgebiet trägt edle Früchte: Ende August konnte der 32-jährige Michel Woltmann, unterstützt von seiner Familie und Freunden, mit der Lese der Trauben beginnen.
VON ANNE BRINKMANN-THIES
Alvesrode. Der Weinberg ist ein Familienprojekt: Michels Eltern Sigrun und Hanke Woltmann haben den Grundstein gelegt und kümmern sich um die Reben. Michel Woltmann übernimmt die Weinherstellung und den Ackerbau. Auch Michels Frau Gesche, seine Schwester Linda und die Großeltern Siegrid und Dieter Freimann packen bei der Lese kräftig mit an.
„Wir bauen ganz überwiegend Trauben der Sorte Solaris an“, sagte der studierte Landwirt Michel Woltmann. Doch auch 170 Chardonnay-Reben gedeihen auf dem Lösslehmboden. Seine Reben bekommen die volle Sonne. Und sie wachsen sogar in Hanglage: „Über die Gesamtfläche haben wir eine Neigung von drei Prozent.“
„Dass wir diesmal schon im August die Solaris-Trauben gelesen haben, war nicht zu erwarten, als wir mit dem Weinanbau begonnen haben“, sagt der 32-Jährige. Der diesjährige sehr warme und trockene Sommer habe schon früh für eine solche Konzentration an Zucker in den Trauben gesorgt, dass sie verarbeitet werden konnten – und mussten. Sonst werde der Alkoholgehalt zu hoch, was sich negativ auf den Geschmack auswirke, so Sigrun Woltmann. „Bedingt durch den Klimawandel hat sich in kurzer Zeit der Erntezeitpunkt nach vorne verschoben“, sagt Michel Woltmann. Dass dies so schnell erfolge, habe er nicht erwartet, als er vor fünf Jahren mit dem Weinanbau begonnen habe. Dass durch die höheren Temperaturen ein erfolgreicher Anbau im Calenberger Land möglich sein könnte, sei ihm aber schon vor acht Jahren während seines Landwirtschaftsstudiums in Göttingen klar gewesen.
Mit einem früheren Lesebeginn rechnet Woltmann auch bei den 170 Reben der Sorte Chardonnay, die eigentlich Mitte Oktober geerntet werden. Hier erwartet er die Lese bereits in der kommenden Woche.
Den sogenannten Oechslegrad, also den Zuckeranteil in den Trauben, kontrolliert er nun täglich, um den richtigen Zeitpunkt für die Lese zu bestimmen. Doch die Ernte der Trauben und das anschließende Pressen und Keltern auf dem eigenen Hof sind nur ein Teil der aufwendigen Arbeit im Weinberg. „Der Anbau macht uns viel Spaß, auch wenn es viel Arbeit ist“, sagt Sigrun Woltmann. Bereits in den Wintermonaten beginnt bei Wind und Wetter der Rückschnitt der Reben. Danach werden die Triebe an Drähten befestigt, später werden überzählige Triebe ausgegeizt. Zudem müssen die Reben gegen Pilzbefall gespritzt werden.
Hat die Familie in den ersten Jahren noch sämtliche Arbeiten per Hand erledigt, konnten inzwischen einige Arbeitsschritte mechanisiert werden. So gibt es auf dem Hof beispielsweise einen Laubschneider, sodass nicht jedes überzählige Blatt einzeln entfernt werden muss.
hat Michel Woltmann in dieser Saison aus 2100 Solaris-Reben 3000 Liter Wein produziert. Dazu kommt demnächst noch der Chardonnay von 170 Reben. Damit die Vögel der Familie bei der Ernte nicht zuvorkommen, haben die Woltmanns die Rebzeilen mit Netzen geschützt. Vor zwei Jahren sei einmal ein ganzer Vogelschwarm eingefallen und habe alle Chardonnay-Trauben abgefressen, erinnert sich Sigrun Woltmann.
Landwirt Michel Woltmann kümmert sich aber keinesfalls nur um den Wein auf den eigenen Flächen. „Auch wenn das arbeitsmäßig manchmal fast so ausschaut“, sagt er. Auf den Flächen werden traditionell vor allem Zuckerrüben, Weizen, Raps und Erbsen angebaut.
Froh ist der 32-Jährige darüber, dass eine neu geschaffene Internetseite die Vermarktung des Weines nun einfacher macht. Bislang war der Wein auf dem Hof in Alvesrode, Vor der Höhe 4, mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr sowie im Hofladen Rodenberg in Völksen erhältlich. Nun kann der edle Tropfen auch online unter hof-woltmann.de bestellt werden.

